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Das Internet wird bei Sothebys versteigert

Das Internet – so wie es noch mancher aus den 90ern kennt – ist die Erfindung von Tim Berners Lee – zumindest die Software zur Hardware. Seitdem ist es den Surfern möglich HTML zu nutzen, eine SPRACHE, die Hyperlinks bereit stellt. Neben HTML (Hypertext Markup Language) hat Berners Lee auch noch das HTTP (Hyper Transfer Protocol) und URI (Uniform Resource Identifiers) erfunden. Im Oktober 1991 nach rund einem Jahr Arbeit war das “Internet” fertig oder das, was wir dafür gehalten haben. Als Akademiker sah man die Möglichkeiten in Texten zu suchen, Links zu setzen, interaktive Verzeichnisse zu erstellen oder nach einzelnen Worten zu suchen. Blättern war passé. Wörter und Inhalte konnten in sekundenschnelle gefunden werden und – Wahnsinn – einzelne Dokumente konnten sogar in Kontext miteinander verknüpft werden.

Im Jahr 2021 macht das wohl kaum noch jemand manuell. Siri, Alexa und Co erledigen das auf Zuruf. In diesen drei Dekaden hat sich so mancher Traum erledigt. Das Internet sollte die Menschheit demokratisieren und enger aneinander binden. Positive gesellschaftliche und soziale Entwicklungen waren zu erwarten. Dieser Traum sollte durch diese für die Mehrheit damals noch unbekannte und nur für wenige zugängliche Technik wahr werden. Star Trek irgendwie. Aber es kam anders. Spätestens als klar wurde, dass es sich um das nächste große Ding handelt und die Smartphones endgültig alle sozialisierten, wurde das ehemals basisdemokratische Internet zu einer Art Spielball für die Interessen wirtschaftlicher und politischer Autokraten. Google ehemals im Sinne des basisdemokratischen Ansatzes gestartet, ist nur noch ein Spiegelbild des algorithmisierten Konsums. Von Top nach Down. Schlimmer noch, google will prädiktiv sein und weiß um die Wünsche des Einzelnen besser Bescheid als die es jemals wüßten. Waren es früher die Masdchinenstürmer, die ihre Existenz durch die Maschinisierung der Arbeit bedroht fühlten, wird nun die Identität und Existenz infrage gestellt. Die Kanalisierung und die Pfründesicherung wie zum Beispiel durch das Leistungsschutzrecht schaffen keinen Mehrwert für das Bruttosozialprodukt, sondern sind nur noch für die Umverteilung im Sinne der Finanzialisierung zuständig. Das Iot (Internet of things) klopft schon an die Tür, manche öffnen sie bereits damit und bei anderen ist es längst im Haus angekommen. Mit Iot durchdringt das Internet vollends die Privatsphäre und wird bis ultimo durchfinanzialisiert und kommerzialisiert. Ein Ende ist nicht absehbar. Doch eins ist klar. Es ist einseitig. Zu einseitig und ignorant. Fernab basisdemokratischer Ideale. Der Traum ist aus.

Worauf aber alle bauen, seien es die weltreichsten Konzerne wie Alphabet (google), Amazon, Apple und Facebook und alle anderen Shootingstars, StartUps, Einhörner und Corona-Gewinner wie Lieferdienste, Streaminganbieter und Social Media-Stakeholder, ist immer noch die drei Dekaden zurückliegende Erfindung eines einzelnen, der diese Protokolle an die Öffentlichkeit übergab – kostenlos, ohne Gegenwert, im Sinne der Wissenschaft – Open Source. Nur so konnte das Internet zum weltumspannenden Netz, dem WWW, werden. Diese Idee ist der größte Erfolg von Tim Berners Lee, der sich kaum in Geld bewerten lässt. Aber eines ist klar. Jeder, der das Internet nutzt – egal wo, nutzt die Idee von ihm. Das ist irgendwie angesichts der unüberschaubaren Useranzahl unbezahlbar und macht ihn erfolgreicher und wichtiger als alle reichsten Internetkonzerne der Welt und den ganzen Rest zusammen.

Nun wird der von Sir Berners Lee geschriebene Originalcode inklusive Video und einem persönlichen Brief in Dateiform bei Sothebys versteigert – plus eines NFT-Zertifikats. Auch Kryptowährungen werden für die Auktion akzeptiert – eine Selbstironie der Geschichte.

Ganz im Sinne der 90er Jahre wäre es wünschenswert, wenn dieser Code – egal von wem ersteigert – einer Stiftung übergeben wird, die sich um das Internet und dessen Entwicklung unter sozialen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten kümmert. Denn das erscheint wichtiger denn je. Das Internet einst als stark gepriesen, weil dezentral, erscheint 2021 zerbrechlicher denn je.
Statt zu Mäzenen zu werden, die durch das Internet reich geworden sind, wäre es eigentlich nur logisch, wenn diese reichsten Menschen der Welt, einen prozentualen Anteil ihres durch das Internet erwirtschafteten Reichtums an diese Stiftung weiter geben würden. Denn nur so würde der nachhaltige Erfolg – auch des eigenen Lebenswerks – gesichert werden können. Wenn diesem Beispiel dann alle anderen auch folgen würden, wäre die Zukunft gesichert. Wie diese Zukunft aussehen könnte, wird in einem kommenden Beitrag in diesem Blog beschrieben.

Wer mitbieten oder auch nur mal einen Blick auf den Code des Internets werfen möchte, klickt auf die Erfindung von Sir Tim Berners Lee, also diesen Link hier unten:

https://www.sothebys.com/en/buy/auction/2021/this-changed-everything-source-code-for-www-x-tim-berners-lee-an-nft/source-code-for-the-www

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